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Avo Uvezian – Ein Leben für Musik und Zigarren

Avo Uvezian ist in vielerlei Hinsicht für uns interessant. Einerseits ist er ein guter Musiker und andererseits Hersteller von wirklich guten Zigarren. Schreibt man über ihn, ist es nicht einfach diese beiden Punkte zu trennen. Denn auch wenn die Musik zuerst da war, ab einer gewissen Zeit verlief beides parallel. Avo Uvezian ist Vollblutmusiker und genauso Vollblutaficinado. Nicht nur genießender Aficinado, er stellt auch selber das genussvollste Rauchprodukt unserer Zeit her. Außerdem ist sein Leben voll mit Episoden und erstaunlichen Wendungen, die es wert sind erzählt zu werden.
Avo Uvezian auf einer Tabakplantage

Musikalische Eltern förderten den jungen Avo

Avo Uvezian wurde 1926 in Beirut im Libanon geboren. Das Kind armenischer Eltern ist inzwischen beachtliche 88 Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit. Aktuell ist zu seinem 88. Geburtstag eine Sonderedition seiner Zigarren auf dem Markt, die „Avo88“, doch dazu später mehr.
Bis Avo dieses erhabene Alter erreicht hat ist viel passiert. Sein Vater war klassischer Komponist und leitete ein Symphonieorchester. Seine Mutter war eine talentierte Sängerin. Es lag also nahe, dass Avo ebenfalls Interesse für die Musik hegte. Der bestehende enge Bezug zu Deutschland, lässt sich mit dem Studium seines Vaters in Leipzig erklären. Bereits mit vier Jahren fing Avo an Klavier zu spielen, ganz einfach, weil ihn das Instrument faszinierte und er es mochte, wie er selbst sagt. Als er sechzehn wurde ereilte mit dem frühen Tod seines Vaters ein Schicksalsschlag seine Familie. Ab diesem Zeitpunkt übernahm Avo die Verantwortung für seine Mutter und seine zwei Schwestern. Seine Mutter unterstützte ihn aber weiterhin voll in seiner musikalischen Entfaltung und förderte sein Talent. So bekam er auch ohne Probleme die Erlaubnis als Pianist des Jazz Trios „Libanon Boys“ den nahen und den mittleren Osten zu bereisen. Nach einem Jahr des Reisens und zahllosen Auftritten wurde das Trio 1946 in einem Hotel in Teheran angestellt. Ein Erfolg, der Avos weiteres Leben positiv beeinflussen sollte.

Avo Uvezian rauchend an Piano

Sprachgewandtheit und Jitterbug

Bei einem Aufenthalt im Hotel wurde der persische Herrscher Schah Mohammad Reza Pahlavi auf ihn aufmerksam. In der Folge spielten unter anderem Avos Talent für Sprachen und seine Fähigkeit Swing zu tanzen dazu, dass seine Karriere sich sehr positiv entwickelte. Beim Tanzen ging es in diesem Fall um die Swing-Unterart „Jitterbug“. Avo sprach neben seiner Muttersprache Armenisch auch noch Arabisch, Französisch und Englisch sowie zusätzlich ein wenig Deutsch, dass er von befreundeten Musikern in Beirut gelernt hatte. Nach Zwei Monaten im Teheran kam dann auch noch ein passables Farsi dazu. Als nun ein gesandter des Herrschers eine Einladung aussprach im Palast zu spielen, teilte er mit, der Shah würde Englisch mit ihm sprechen. Darauf sagte Avo Uvezian, auch Farsi wäre kein Problem. Dies beeindruckte den Shah sehr und bevor das Trio die ersten Töne anschlug teilte er dies Avo auch mit. Die Sympathien waren geweckt. Bei den ersten Klängen des Jazz Songs „In the Mood“ fingen der Shah und seine Frau an zu tanzen. Nach Meinung Uvezias aber nicht so wie man den Jitterbug richtig tanzt. Unbedarft und ohne Kenntnis der Umgangsetikette am Hof, sagte er dem Shah auch direkt, dass er falsch tanze. Dessen Antwort war „Dann komm doch hoch und zeig es mir!“ Was Avo natürlich sofort machte. Der Herrscher war begeistert von dieser Vielfältigkeit und Weltgewandtheit, weshalb er ihn immer wieder einlud bei diplomatischen Abendwessen zu spielen. Schließlich wurde er sogar für ein Jahr als kaiserlicher Leib Pianist angestellt.

Dank Beziehungen in die Staaten – zu Ausbildung und eigener Familie

Nach einer sehr guten Zeit in Teheran, wuchs der Wunsch weiter zu denken und seine musikalischen Fähigkeiten auszubauen. Sein Plan war es in die vereinigten Staaten zu gehen um dort an der renommierten Juiliard Music School Musik zu studieren. Das Problem für Ihn war damals seine libanesische Staatsbürgerschaft. Als Libanese war es überaus schwer oder gar unmöglich an ein US-Visum zu kommen. Hier halfen ihm seine Beziehung zum Shah, der mit ein paar Telefonaten innerhalb von zwei Wochen ein Visum organisierte. Der Weg war frei und Avo reiste nach New York.

Leben, lernen und arbeiten in NYC

In New York lebte er kostengünstig bei seinen Tanten und besuchte die Juiliard Music School um klassisches Klavierspiel und Komposition zu lernen. Nebenher arbeitete er weiterhin als Jazzpianist in den Bars der Stadt. Er lernte in New York seine Frau kennen, die ebenfalls Armenierin war. Mit Ihr zeugte er in 24 Jahren Ehe drei Söhne. Anders als Avo Uvezian, war sie starke Raucherin. Avo selbst sollte erst später zum Tabak und zu den Zigarren kommen. Seine Frau lebt leider nicht mehr und Avo ist verwitwet.

Avo Uvezian live am Piano

Mit Musik in die Korea Krise und durch die USA

Mit der Einreise in die Staaten nahm er auch die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Dies führte dazu, dass er während des Korea Krieges von der Armee eingezogen wurde. Statt aber bei der Infanterie zu dienen, landete er zu seinem Glück in einem Offizierskasino in Südkorea. Er wurde nach Ende der Auseinandersetzung 1952 ehrenhaft entlassen und konnte so seine Militärlaufbahn beenden. Seine musikalische Reise beschränkte sich nicht ausschließlich auf die Stadt New York, er bereiste nach seinem Studium in den 50er un 60er Jahren weite Teile der USA und lernte viele Größen der Jazzszene kennen. Dave Brubeck oder Teddy Wilson sind nur zwei von ihnen, wenn auch mit die Bekanntesten. In den 60ern hatte Avo sogar Teil an der Entstehung des Welthits „Strangers in the night“ von Frank Sinatra.

Ein Multitalent, Genießer und Geschäftsmann

Avo Uvezian ist so vielfältig begabt, dass man sich fragt, wie er es geschafft hat all dies mit solchem Erfolg umzusetzen. Nach dem Tod seiner Frau und ausgedehnten Reisen siedelte er nach Puerto Rico über. Hier eröffnete er erst ein Restaurant und später noch eine Piano Bar. Nur als Randnotiz zu erwähnen, aber ebenso erstaunlich: Nach seiner Zeit beim Militär war er zwar kurzzeitig, aber trotzdem erfolgreich, als Schmuckdesigner im Betrieb seines Schwiegervaters in New York angestellt. Wie schon erwähnt, rauchte Avo nie Zigaretten. Bei einem Besuch in der Schweiz bestellte er nach den Essen jedoch eine Zigarre. Er war enttäuscht von der Qualität und dem Preis/Leistungsverhältnis der damals in den USA verbotenen kubanischen Zigarre. Sie schlug mit 25 Dollar zu Buche, was ihn sehr schmerzte. Deshalb beschloss er von Puerto Rico aus selber Zigarren herzustellen um es besser zu machen.

Avo Uvezian spricht über sein Leben und seine Zigarren

Die Leidenschaft für die Zigarre war geboren

Die Zigarrenproduktion sollte eine kleine sein, nur den Eigenbedarf decken und zum Teil in seiner Piano Bar verkauft werden. Trotzdem ging Avo Uvezian die Sache recht pragmatisch an und suchte sich eines der besten Produktionsländer für Zigarren aus: Die Dominikanische Republik.
In einer Fabrik ließ er sich zwölf Sampler mit verschiedenen Blends herstellen. Aus diesen wählte er mit dem Geschmacksbeauftragten eine aus, welche die erste der „Avo Linie“ werden sollte, die Avo Classic. Die Zigarre wurde also hergestellt und in einer stilvollen Box auf dem Piano seiner Jazzbar zum Kauf angeboten. Die Zigarre fand nicht nur unter seinen Freunden großen Zuspruch, sondern wurde auch von Gästen seiner Bar, die eine als Geschenk erhielten, zahlreich aus der Ferne bestellt. Selbst mit dieser kleinen Basis verkaufte er innerhalb eines Jahres 20 000 Zigarren. Genug Gründe die Produktion auszuweiten und zu professionalisieren. Er wollte außerdem weiter an der Qualität der Produkte feilen.

Zusammenarbeit mit dem Zigarrenpapst und mit Davidoff

Im Rahmen dieser Maßnahmen traf er auf den Zigarrenpapst der Dominikanischen Republik: Hendrik Kelner. Durch freundschaftliche Verbindung mit dessen Unternehmen “Tabacos Dominicanos” entstand bald eine der besten Zigarrenmanufakturen der Dominikanischen Republik. Hier wurde, unter anderem durch die Verwendung des besonders modifiziertem „Piloto Cubano“-Tabak, weiter an der Qualität der Avo-Zigarre gefeilt. Den Durchbruch und weltweite Bekanntheit erreichte die Marke Avo dann durch die Zusammenarbeit des schon damals riesigen Davidoff Konzerns. Als diese ihren ersten Flagship Store in New York eröffneten, schickte Avo Uvezian Ihnen zwölf Kisten seiner Zigarren. Diese fanden so reißenden Absatz, dass kontinuierlich nachgeordert wurde. Avo nahm seine Chance wahr und machte mit dem Konzern einen Deal über ein exklusives Verkaufsrecht in den USA. Er hatte zwar eine erstklassige Produktion, aber kein gutes Vertriebsnetz und nur einen recht lokal bekannten Namen. Davidoff sollte abhelfen.

Ein guter Schachzug:
Innerhalb des ersten Jahres wurden 125 000 Zigarren verkauft. Im vierten Jahr waren es bereits 750 000. Im Jahr 1996 waren es zwei Millionen Zigarren.
Davidoff zeigte Interesse daran, die komplette Marke zu kaufen und nicht nur die Verkaufsrechte zu besitzen. Avo willigte unter der Bedingung ein, weiterhin seine Geschäftsphilosophie zu leben und mitwirken zu können. Es sollte unabhängig von der Masse die Qualität des Handwerks gesichert bleiben. Außerdem ist er auch heute noch in das Blending und neue Produktionsweisen von Avo Zigarren involviert. Ist nicht der ehemalige Begründer einer Zigarrenlinie selbst, der beste Markenbotschafter? Avo Uvezian, der immer mit einem weißen Brioni Anzug und Strohut in die Öffentlichkeit tritt, gilt nun selbst als Zigarrenpapst des guten Geschmacks. Zu Recht, wie wir finden.

Avo Uvezianin Berlin

Produkte und Limitied Editions

Avos Zigarren werden immer noch eng mit der Musik verknüpft. In der Schweiz gibt es sogenannte „Avo-Sessions“, bei denen Zigarren zu guter Musik gereicht werden. Avo Uvezian selber bereist immer noch viel die Welt und stellt nach seiner Tour in den USA höchstpersönlich in der Schweiz und Deutschland seine Produkte vor.
Seit seinem 75. Geburtstag wird jedes Jahr zu diesem Anlass eine Limited Edition seiner Zigarre herausgebracht. Angefangen mit der “Avo 75th anniversary” folgten viele weitere, bis zu den beiden letzten „AVO The Dominant 13th Limited Edition 2013“ und der „AVO “88” Limited Edition 2014“. In der Kiste jeweils mit einer sehr „musikalischen“ Optik zu haben. Die 2013er Edition war eine in Form eines Notenbuchs designte Holzkiste, die viele weitere Extras enthielt. Neben den Zigarren war auf einem USB-Stick der extra dafür komponierte Song „Delightful Days“, ein Filmclip, sowie der Zigarrenkatalog von Avo enthalten. Diese Extras waren aber leider nur in den USA erhältlich, da in Deutschland solche Beigaben zu Tabakwaren nicht gestattet sind.

Im letzten Abschnitt stellen wir zwei der Zigarren noch ein wenig ausführlicher vor. Ein Klassiker und die “AVO The Dominant 13th Limited Edition 2013″ – dessen Kiste wie oben erwähnt sehr liebevoll gestaltet wurde.

Avo Zigarren in edler Holzkiste mit Notenbuchoptik

AVO Classic No. 5

Die Serie Avo Classic, war die erste die 1988 von A. Uvenzian hergestellt wurden. Sie sind der Grundstein und der Ausgangspunkt für den Erfolg seiner Zigarren. Deshalb soll hier kurz eine von ihnen besprochen werden. Die AVO Classic No.5 ist eine Zigarre wie wie dominikanischer nicht sein kann. Die aus fünf verschiedenen dominikanischen Tabaken zusammengestellte Einlage und das ebenso von dort stammende Umblatt sind so abgestimmt, dass sie einen milden Blend erzeugen. Abgerundet wird die Zigarre mit einem edlen, von Kennern geschätzeten, Connecticut Shade Deckblatt. Die Palette der Aromen zeichnet cremiges wie Kaffee, Nuss und ein wenig Leder auf den Gaumen. Eine leichte Würze ich ebenfalls wahrzunehmen. Der Longfiller ist mit 17,5cm nichts für zwischendurch, man sollte ruhig 45-90 Minuten einplanen. Ein 42er Ringmaß und gute Verarbeitung sind einem guten Abbrand und sehr gutem Zugverhalten förderlich. Das Churchill Format ist mit angemessenen 8,90€ in der mittleren Liga auf jeden Fall eine Empfehlung.

The Dominant 13th Limited Edition 2013

Die Limited Edition zum 87. Geburtstag von Avo Uvezian ist einer Feierlichkeit durchaus angemessen. Die Zigarre im Toro Format ist mit 15,2cm relativ kurz, weist dafür aber mit ein stattliches Ringmaß von 52 auf. Nicht nur die Kiste ist eine Hommage an Avos Leidenschaft die Musik, die Zigarre ist ebenso vielschichtig komponiert wie ein gut komponiertes Stück. Die Aromen sollen sich wie bei einem Jazz Dominantseptakkord mit 13. Tonstufe vielfältig und geschichtet übereinanderlegen. Begonnen mit zartbitteren Aromen und ein wenig Salz entfalten sich Kaffeenoten und Röstansätze. Recht durchgehend begleitet einen eine gewisse Grundsüße, die gegen Ende durch eine leicht pfeffrige Note, die peruanische Würze, abgerundet wird. Das H200er Deckblatt aus Ecuador darf sich um Einlagetabake aus der dominikanischen Republik und Peru sowie ein ebenso aus Avos Wahlheimat stammendes Umblatt legen. Von innen und außen überzeugend, kann die Zigarre je nach Rauchverhalten 45-90 Minuten Freude bereiten. Mit 16€ nicht ganz preiswert, aber definitiv den Smoke wert.

Avo Zigarre Limited edition 2013

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