Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/w00ea4b7/zigarren-org/wp-content/themes/reportage/functions/admin-hooks.php on line 165

Das Lorsa Brasil Projekt

In einem unserer Beiträge haben wir bereits über das beeindruckende Lorscher Tabakprojekt informiert. Dabei kümmern sich etwa 40 ehrenamtliche Pflanzerinnen um Aussaat, Pflege und Ernte des Tabaks. Dieses Jahr entstand dabei die Lorsa Brasil, eine deutsche Zigarre, die nur limitiert erschien und darum innerhalb kürzester Zeit auch schon wieder ausverkauft war.

Zigarren.org hat einige Fragen an die Leiterin des Kultur- und Tourismusamtes in Lorsch gestellt und fand heraus, wie viel Elan und Leidenschaft hinter der Lorsa Brasil stehen.

Unsere Fragen an Gabi Dewald

Mehrere Kisten der Lorsa Brasil übereinander gestapelt

Kaum war Ihre Zigarre auf dem Markt, da war sie auch schon wieder ausverkauft. Wie haben Sie diesen großen Erfolg gefeiert?

Antwort Gabi Dewald (GD): Natürlich mit einer echten Lorsa Brasil! Und natürlich mit allen Tabakpflanzerinnen und Tabakpflanzern zusammen. Wir haben die Zigarre gemeinsam im Rahmen unseres Frühlingmarktes auf der Bühne vorgestellt und gleich auch angeraucht – obwohl wir fast alle Nichtraucher sind!

Warum liegt Ihnen der Tabak so sehr am Herzen?

GD: Diese Stadt hat über 300 Jahre vom Tabak gelebt. Vom Anbau wie von der Verarbeitung. Der Wohlstand Lorschs, das auf Sand gebaut ist, gründet auf Tabak. Obwohl vieles abgerissen wurde, sieht man auch in der örtlichen Architektur überall Hinweise auf diese große Tradition. Die Anzucht, Ernte und Verarbeitung des Tabaks hat aber auch im Sozialleben viele Spuren hinterlassen: Viele dörfliche Rituale, ja die dörfliche Gemeinschaft, wurden dadurch geprägt. Heute haben wir das größte Tabakmuseum Deutschlands in unserer Stadt, direkt neben dem UNESCO Weltkulturerbe. Der Tabak ist ein großartiges Thema, um alles Mögliche exemplarisch aufzuzeigen: die Industrialisierung und ihre Folgen, Themen wie Frauenarbeit – sie verdienten mit ihrer Heim- und Akkordarbeit mehr als ihre Männer! – , Kinderarbeit, regionale Geschichte, Architekturgeschichte, sogar die künstlerische Umsetzung des Themas Rauchen in Kunst und Kunsthandwerk – das sind ein paar Aspekte, die mir spontan einfallen. Sie sehen: Das Thema Genussrauchen kommt dabei für uns eigentlich nur als ein Mögliches unter vielen vor.

Welche Schwierigkeiten hatten Sie beim Anbau Ihres Tabaks für die einzigartige Zigarre Lorsa Brasil?
Eine Frau trägt Tabak auf ihrem Kopf aus dem Feld

Die Bärre werden aus dem Feld getragen

GD: Keine (lacht)! Nein, im Ernst: Die Sache steht und fällt natürlich mit unseren zwei Projektleitern – ein spannendes Paar übrigens! Thomas Schuhmacher ist Mitte Zwanzig und studiert Forstwirtschaft. Er bringt viel praktisches Know how mit, denn er stammt aus einer Familie, die Tabak anbaute. Bernhard Stroick war Industriemanager und ist heute – Göttin sei Dank! – pensioniert. Er hat sich dem Thema eher theoretisch angenähert. Die beiden Männer koordinieren mit ihrem Einsatz und Wissen das Bürgerprojekt. Es haben sich gleich ungeheuer viele Leute gemeldet, die mittun wollten. Auch die örtlichen Bauern haben das Projekt, das vom städtischen KULTour-Amt initiiert wurde, mit Rat und Tat unterstützt. Auch finanzielle Probleme gab es nicht, da die Stadt hier einsprang. Außerdem konnten wir die Volksbank als dauerhafte Förderin dieses quasi genossenschaftlichen Projektes gewinnen – was großartig ist.

Rauchen Sie selbst Zigarre, Pfeife oder ähnliches? Mit anderen Worten: Genießen Sie Ihren Tabak auch selbst?

GD: Nein, wie die beiden Projektleiter bin auch ich (seit vielen Jahren) Nichtraucherin. Aber natürlich habe ich ein Zigarren-Tasting bei dem sehr versierten Fachgeschäft in der Nachbarschaft gemacht. Und wir haben ein Tasting gemacht, bevor die Mischung für die Lorsa Brasil festgelegt wurde. Aber das tollste Erlebnis war, die Lorsa Brasil selbst zu rauchen: Sie hat einen wirklich fabelhaften Geschmack, der uns alle total überraschte, sie schmeckt weich, rund, fast süß und dabei extrem aromatisch. Selbst erfahrene Afficionados sind begeistert. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass das damit zusammenhängt, dass wir ausschließlich Sandblätter verwendet haben – das darf man eigentlich gar nicht laut sagen, ich weiß! Aber wir hatten nur Sandblatt gepflückt, weil wir ja eigentlich die Zigarre nur als Schlussstein der ganzen Aktion sehen und nicht im großen Stil produzieren wollen! Aber dann hat die Manufaktur, die die Zigarren für uns rollte, angeblich über 50% des Lorscher Tabaks in die Mischung – die Lorsa Brasil ist ein Shortfiller – eingebracht. Was ungefähr zehn Mal so viel ist, wie man bei heimischen Produkten eigentlich verwendet – habe ich mir sagen lassen. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Die Lorsa Brasil zu rauchen, habe ich außerordentlich genossen. Und werde das auch in Zukunft ab und an tun, das ist sonnenklar!

Wie sieht die Zukunft aus: Planen Sie eine weitere Zigarre auf den Markt zu bringen? Oder konzentrieren Sie sich nun auf das Lorscher Tabakfest?

GD: Natürlich machen wir weiter. Der diesjährige Tabak ist im Moment etwa 30 Zentimeter hoch, wir haben am Wochenende gerade gehakt und gedüngt. Heute wird gegen Blauschimmel gespritzt. Wir werden heuer wohl auch selbst fermentieren. Aber sehen Sie, das Ganze ist ein Projekt des städtischen KULTour-Amtes in Kooperation mit dem Heimat- und Kulturverein. Sie können sich denken, dass der Tabakanbau und die Produktion von Rauchwaren durch die öffentliche Hand nicht überall, sagen wir mal, auf Verständnis stößt… Trotzdem ist – ich sagte es schon – die Zigarre als Produkt des ganzen Prozesses, natürlich unerlässlich. Es wird also auch 2014 wieder eine Lorsa Brasil geben. Doch zuvor – Sie erwähnten es schon – feiern wird das Lorscher Tabakfest an der örtlichen Kirchweih vom 20. – 22 September. Und dazu laden wir uns kubanische Freunde ein. Und zwar zum gemeinsamen Zigarrenrollen und –rauchen, aber auch Musiker und Köche.

Weitere interessante Informationen zum Lorscher Tabakprojekt

Eine Gruppe von Menschen steht im Tabakfeld und lächelt in die Kamera

  • Gabi Dewald, unsere Interviewpartnerin, ist die Leiterin des Kultur- und Tourismusamtes in Lorsch. Sie hat das Lorscher Tabakprojekt initiiert, ist Teil der Tabakbauer-Gruppe und koordiniert das Tabakprojekt vom KUlTour-Amt aus.
  • Der Tabak für die Lorsa Brasil wird in Geudertheimer angebaut
  • Das Tabakmuseum in Lorsch ist das größte seiner Art in Deutschland. Hier befinden sich die größte rauchbare Pfeife und die größte Bauchbindensammlung.
  • Am 13. September findet im Lorscher Palais ein großer Tabakball mit circa 200 Gästen statt.

Kommentare