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Der Bundesverband Deutscher Tabakpflanzer

Der Anbau deutschen Tabaks kann auf eine Geschichte von mehr als 300 Jahren zurückblicken. Seit circa 100 Jahren ist der Bundesverband Deutscher Tabakpflanzer e.V. die Dachorganisation der Tabakpflanzer. Eines der größten Ziele ist es dabei, eine einheitliche Anbaustruktur zu ermöglichen und Tabakpflanzer in ihrer Tätigkeit beraten und unterstützen zu können.

Zigarren.org hat einige Fragen an den Vorsitzenden des Bundesverbands Deutscher Tabakpflanzer e.V., Hubert Bleile, gestellt.

Unsere Fragen an Hubert Bleile

Schwarz weiß Foto eines nett lächelnden Mannes

Wann wurde der Bundesverband Deutscher Tabakpflanzer gegründet? Wie viele Mitglieder hat der Verband? Was sind die Hauptaufgaben und –ziele des Verbands?

Hubert Bleile (HB): Ein Vorläufer des Bundesverbandes wurde bereits vor mehr als 90 Jahren gegründet. In seiner jetzigen Struktur besteht der Bundesverband Deutscher Tabakpflanzer (BdT) seit 1951. Wir sind die zentrale Organisation und Interessensvertretung der Tabakpflanzer in Deutschland. Unter dem Dach des Bundesverbandes sind die einzelnen Landesverbände und Erzeugergemeinschaften zusammengeschlossen. Dies umfasst sieben Regionalverbände mit rund 130 Mitgliedsbetrieben.

Unser Hauptziel ist es, für den deutschen wie auch den internationalen Markt hochwertige Tabake und damit das Ursprungsprodukt für erstklassige Genussmittel zu erzeugen. Die im BdT organisierten Pflanzer achten dabei streng auf die vorgegebenen Anbaurichtlinien. Genetisch verändertes Saatgut ist bei uns beispielsweise ein Tabu. Deutscher Tabak ist grundsätzlich ein Premiumprodukt. Wir sorgen für die umweltgerechte Produktion von Tabak sowie dessen Vermarktung.

Im Rahmen unserer Interessensvertretung ist es ein zentrales Anliegen, Deutschland als Standort für den Tabakanbau zu erhalten und dafür günstige Rahmenbedingungen zu schaffen. Von politischer Seite wird uns das Leben jedoch sehr schwer gemacht. Die jüngst verabschiedete EU-Tabakproduktrichtlinie wie auch der dauerhafte Ruf nach höheren Tabaksteuern bedrohen die Existenz der deutschen Pflanzer. Denn diese Überregulierung hat zur Folge, dass die Abnehmer unserer Tabake mit einem massiven Kostendruck konfrontiert werden. Wer auf einem Markt durch standardisierte Verpackungen und Produkte immer weniger mit Qualität, Marke und Image werben darf, muss über den Preis gehen, um zu bestehen. Darunter leiden wir enorm. Denn das Premiumprodukt deutscher Tabak ist entsprechend hochpreisig.

Was sind die besonderen Herausforderungen des Tabakanbaus in Deutschland? Wie viel Tabak wird hierzulande jährlich angebaut? Welches sind die Haupt-Anbaugebiete?

Nahaufnahme eines Tabakblatts
HB: Die hervorstechendste Herausforderung des deutschen Tabakanbaus ist nicht etwa das Klima. Damit kommen wir sehr gut zurecht. Die größte Herausforderung ist im Erhalt adäquater gesetzlicher Rahmenbedingungen zu sehen. Die zuvor erwähnte Tabakproduktrichtlinie hat in fast jedem ihrer Details Auswirkungen auf das Geschäft der deutschen Pflanzer. Beispielsweise das Verbot von Zusatzstoffen in Zigaretten. Die deutschen Pflanzer bauen vorwiegend aromaärmeren Virgin-Tabak an. Diese nikotinarmen Tabake benötigen im Verarbeitungsprozess Zusatzstoffe und werden dann aromareicheren, nikotinstarken Tabaksorten beigemischt. Ein Verbot hat zur Folge, dass dieser nachhaltige, nikotinarme Tabak von den deutschen Tabakpflanzern nicht mehr in diesem Umfang angebaut werden kann, weil er schlicht nicht mehr nachgefragt werden darf. Dies ist aus unserer Sicht nicht hinnehmbar. Denn bislang fehlt jeder stichhaltige Nachweis, dass zusatzstofffreie Tabakprodukte weniger schädlich sind. Einzig aus dem Begriff „Attraktivität“ gewisser Tabakmischungen leiten Brüsseler Bürokraten wie auch Berliner Politiker ein höheres Gesundheitsrisiko ab. Mir war bislang allerdings nicht klar, dass „Attraktivität“ mittlerweile eine feststehende und vor allem messbare, wissenschaftliche Einheit darstellt.

Derzeit wird in Deutschland in der Rheinebene (Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz), in Franken (Bayern), in der Uckermark (Brandenburg), Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie in Niedersachsen und Schleswig-Holstein Tabak angebaut. Das Volumen variiert zwischen 4000 und 6000 Tonnen jährlich.

Welches sind die bekanntesten Zigarrenproduzenten in Deutschland? Welche Zigarre aus Deutschland würden Sie Aficionados empfehlen?

HB: Aficionados würde ich immer eine “Baden-Württemberg-Zigarre” empfehlen: Sie besteht zu 100% aus Geudertheimer-Tabak, ist würzig mild, und ihr Genuss ist nicht zuletzt ein Bekenntnis und Ausdruck der Leidenschaft für die Kultur des Tabaks aus unserem Lande.

Wie wirkt sich das im Vergleich zu Zentralamerika oder der Karibik sehr milde Klima auf den deutschen Tabak aus? Inwiefern bedingt das milde Klima auch den charakteristisch milden Geschmack des deutschen Tabaks?

HB: Die deutschen Tabakpflanzer bauen hauptsächlich zwei Varietäten an: Virgin- und Geudertheimer-Tabak. Virgin-Tabak besticht durch seine hell- bis goldgelbe Farbe. Sein geringer Nikotingehalt ist äußerst vorteilhaft. Diese Sorte macht mehr als 90 Prozent des aktuellen Anbauumfangs aus. Geudertheimer-Tabak findet man nur in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Dies ist ein dunkler Tabak mit ebenfalls mäßigem Nikotingehalt und wird für die Zigarrenproduktion verwendet. Die Charakteristika dieser Tabaksorten liegen in der vergleichsweise geringen Sonneneinstrahlung in Kombination mit feuchten Böden begründet. Die Pflanze wächst schnell und gut, ohne dabei von der Sonne verbrannt zu werden. Das macht deutschen Tabak milder als andere.

Gibt es sonst noch etwas, was Sie uns über den Bundesverband Deutscher Tabakpflanzer mitteilen wollen?

HB: Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist die moderne Tabakforschung. Sie verfolgt das Ziel, durch Züchtung von qualitativ hochwertigen und mit multiplen Resistenzen ausgestatteten Sorten sowie Optimierung in den Bereichen Düngung, Pflanzenschutz und Anbautechnik die Tabakpflanzer zu unterstützen. Damit sind wir in der Lage, dem Markt „clean tobacco“ zur Verfügung zu stellen.

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