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Schriftstellerin, Geliebte, Aficionada: George Sand

George Sand, Daguerrotypie von Nadar (ca. 1864)Die französische Schriftstellerin George Sand erregte schon damals die Gemüter: Sie stach aus der konformen Masse der Frau von damals hervor, indem sie mit den Normen der Zeit brach. Schon zu Lebzeiten rief sie durch ihre gesellschaftskritischen Schriften und ihren Bemühungen um Frauenrechte polarisierende Reaktionen hervor. Zudem ging sie Liebschaften mit bekannten Männern ein, darunter der polnische Komponist Frédéric Chopin.
Als eine der ersten Frauen ihrer Zeit griff sie zur Zigarre oder Pfeife und war passionierte Raucherin.

Ein Leben gegen den Strom

George Sand wurde als Amantine Aurore Lucile Dupin am 01. Juli 1804 in Paris geboren. Bereits mit vier Jahren verstarb ihr Vater, worauf ihre Mutter die kleine George im Jahre 1810 südwestlich von Paris, bei ihrer Großmutter auf einem Landgut in Nohant unterbrachte. Dort wuchs sie nach strenger Etikette auf, besuchte mit 13 Jahren sogar ein Augustinerkloster in Paris, wo sie erzogen werden sollte. Nach dem Tod ihrer Großmutter erbte sie das Anwesen in Nohant und das Hôtel de Narbonne in Paris, ein Patrizierhaus.

Nonkonform zur internationalen Bekanntheit

Im Jahr 1822 heiratete sie gegen den Willen ihrer Mutter, die George stets vernachlässigt hatte, den mittellosen Artillerieleutnant Baron Casimir Dudevant, mit dem sie zwei Kinder zeugte: Maurice (* 1823) und Solange (* 1828). Die Identität des Vaters ihrer Tochter ist allerdings ungewiss, hatte George bereits schon ein Jahr zuvor mehrere Affären. Die Ehe mit Dudevant zerbricht; 1831 trennt sie sich von ihrem Mann, 1836 wird die Ehe geschieden.
Im Jahr der Trennung geht George Sand zurück nach Paris und beginnt ihre Arbeit beim Figaro, zusammen mit ihrem Geliebten Jules Sandeau. Sie beginnt unter deren gemeinsamen Pseudonym „J. Sand“ Artikel, Glossen und Romane zu verfassen und kreiert daraus ihren Künstlernamen George Sand; 1832 veröffentlicht sie unter diesem ihren ersten Roman „Indiana“, der als skandalös empfunden wurde.

Die Zigarre betäubt den Kummer und erfüllt die einsamen Stunden mit Millionen angenehmer Dinge.

Sie wählte einen Männernamen und gewöhnte sich an, von sich in der maskulinen Form zu sprechen. Zudem trug sie immer häufiger Männerkleidung und war eine der ersten Frauen, die öffentlich Zigarre rauchten. Durch den Nachfolgeroman „Lélia“ von 1833 wurde sie schlagartig in Frankreich und Europa bekannt und damit zu einer der bestbezahlten Schriftstellerinnen, aufgrund der Popularität übersetzte man viele ihrer Werke in andere Sprachen.
Gleichzeitig unterhielt sie weiterhin mehrere Liebesbeziehungen und Affären zu verschiedenen Männern, ab 1838 mit Chopin.

Politischer Aktivismus

Ebenfalls betätigte sich Sand politisch: Ab den 1840er Jahren thematisierte sie in ihren Schriften immer häufiger soziale Missstände in Frankreich. Sie beschäftigte sich mit religionskritischen Themen, mit Emanzipation und der Utopie einer klassenlosen Gesellschaft: Sie setzte sich intensiv für die Gleichberechtigung der Frau ein.
Als Verfechterin der Februarrevolution 1848 und begrüßte sie die Wahl von Louis Napoléon Bonaparte zum Präsidenten, der mit Sand bekannt war. So nutze sie das Verhältnis zu ihm, um 1852 erfolgreich für das Leben verurteilter Sozialisten einzustehen. Nachdem der Präsident sich allerdings zum Kaiser Napoléon III. krönen ließ, ging Sand zurück nach Nohant. Die Zensur wurde verschärft und sie widmete sich in ihren Werken unverfänglicheren Themen.

Am 08. Juni 1876 starb George Sand auf ihrem dortigen Anwesen, der Maison de George Sand im Alter von 71 Jahren. Sie wurde im dort im umgebenden Park beigesetzt.

Werk und Rezeption

George Sand war zu Lebzeiten die erfolgreichste Schriftstellerin in Frankreich, sie schrieb mehr als 35 Romane (vor allem über Frauenschicksale) und hat etwa 180 Bände veröffentlicht. Hinzu kommen etliche sozialkritische Schriften und Artikel für verschiedenen Zeitschriften und ein enormer Briefwechsel, wovon heute noch ein Teil existiert. Sie galt als emsige „Vielschreiberin“, ihr Geliebter Alfred de Musset beklagte sich etwa 1833 über ihre „Arbeitswut“. Daneben war sie für ihr Schreibtalent bekannt, aber ebenso für ihre Egozentrik und die vielen Männergeschichten.

Bereits zu Lebzeiten hatte George Sand Bewunderer, so etwa Musset, Balzac und Flaubert. Aber auch der deutsche Schriftsteller Heinrich Heine oder der Russe Fjodor Dostojewski zählten zum Kreis ihrer Anhänger.
Andere Zeitgenossen ließen allerdings keinen Raum für Begeisterung: Charles Baudelaire nannte sie verächtlich eine „Latrine“, Nietzsche schimpfte sie nach ihrem Tod eine „fruchtbare Schreibe-Kuh“ und konnte ihren schwülstigen Stil nicht ausstehen. Auch missfiel ihm ihre „Weibskoketterie mit Männlichkeiten, mit Manieren ungezogener Jungen“.

Die Beziehung zu Chopin

Zu Lebzeiten sowie Jahre später diskutierte man über die Beziehung des ungleichen Paares, Gegensätze in ihren Persönlichkeiten waren bisweilen sehr offensichtlich. Die beiden Glanzgestalten der Pariser Gesellschaft des 19. Jahrhunderts gingen ab 1838 eine Beziehung ein. Sand lernte den Komponisten durch Franz Liszt kennen. Zunächst war Chopin jedoch von der selbstbewussten und emanzipiert auftretenden Dame abgeschreckt und konnte sie nicht leiden.

Frédéric Chopin in Paris (1849)

Doch Chopin, der zu der Zeit eine unglückliche Liebe hinter sich hatte, fühlte sich durch Sand verstanden und fand sein Gleichgewicht wieder. Ihr zweiter Annäherungsversuch war erfolgreich und so begaben sich die beiden im November 1838 mit Sands Kindern Maurice und Solange auf eine Reise nach Mallorca, wo Chopin sich erholen wollte, da er an Tuberkulose litt. Auch Sands Sohn sollte sich von einer rheumatischen Erkrankung erholen.
Chopin ging es jedoch aufgrund der dortigen Räumlichkeiten und dem Wetter nicht besser und so reiste das Paar alsbald wieder ab. George Sand verfasste über den Aufenthalt auf der Insel von 98 Tagen einen Bericht namens „Ein Winter auf Mallorca“.

Das Paar lebte abwechselnd in Paris und Nohant, und obgleich ihre Beziehung gemeinhin bekannt war, lebten sie stets in getrennten Wohnungen. Das mag auch daran liegen, dass das Paar unverheiratet und gemeinsames Wohnen zur damaligen Zeit unter diesen Umständen unüblich war.
Mit den Jahren kam es jedoch zu Spannungen, Eifersucht und familiären Auseinandersetzungen. Nach neun Jahren endete die Beziehung der beiden im Jahre 1847. Der Grund ist nicht vollends geklärt, aber es mag daran liegen, dass die Familienstreitigkeiten, ihre unterschiedlichen Wesen und Vorstellungen vom Leben dazu führten, dass das Paar sich trennte.

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