Temperamentvolle Zigarrendreherin: „Carmen“ von Georges Bizet

Carmen gehört zu den weltbekannten Klassikern unter den Opern: Stücke wie die Habanera wurden etwa von Operndiven wie Maria Callas oft interpretiert und die Melodie der Arie des Toreadors Escamillo ist vielen bekannt. Doch zunächst erfreute sich das Werk keiner großen Beliebtheit, da es der damaligen Pariser Gesellschaft „zu krass“ war.
Heutzutage ist die Oper in vier Akten bei Anhängern klassischer Musik äußerst beliebt und den meisten ist die verführerische Zigeunerin aus der Zigarrenfabrik ein Begriff.

Gemälde von Célestine Galli-Marié in ihrer Rolle als Carmen

Célestine Galli-Marié: Die erste “Carmen”

Handlung

Erster Akt

Schauplatz des Geschehens ist das südspanische Sevilla, etwa um das Jahr 1820. Die dortige Zigarrenfabrik ist für ihre schönen Arbeiterinnen bekannt – unter ihnen Carmen, eine feurige Zigeunerin, die mit Vorliebe die Seguidilla tanzt. In sie verliebt sich Don José, ein Soldat, der eigentlich die Waise Micaëla heiraten will, um den Wunsch seiner Mutter zu entsprechen.
Carmen arbeitet als Zigarrendreherin und gerät in einen Streit mit einer Mitarbeiterin, wobei sie diese mit einem Messer verletzt. Don José soll Carmen daraufhin ins Gefängnis bringen, doch die femme fatale überzeugt ihn, sie gehen zu lassen.

Zweiter Akt

Der Ort des Geschehens ist die Taverne von Lillas Pastia, wo Carmen und ihre Freundinnen mit Leutnant Zuniga und seinen Offizieren feiern. Dort erfährt die Zigeunerin vom Militärsmann – der auch Gefallen an ihr findet –, dass José aufgrund seiner Tat im Gefängnis saß, jedoch wieder frei ist.
Der Stierkämpfer Escamillo betritt die Schänke und umwirbt Carmen, diese weist ihn jedoch zurück und wartet auf Don José. Der Toreador und die Soldaten brechen auf und zwei Schmuggler versuchen die Zigeunerinnen für einen Diebeszug zu gewinnen, aber diese lehnen ab.
Endlich kommt José und die Gauner verstecken sich, Carmen begrüßt ihren Geliebten und singt und tanzt für ihn. Als der Zapfenstreich ertönt und der Sergeant aufbrechen will, woraufhin ihn die freiheitsliebende Carmen ob seines Pflichtbewusstseins verhöhnt.
Als er gehen will, tritt Zuniga herein – es kommt zu einer Auseinandersetzung und die Diebe überwältigen Zuniga und fesseln ihn. Don José bleibt nichts anderes, als der Bande in die Berge zu folgen.

Dritter Akt

Das Versteck der Schmuggler in einer Felsenschlucht. Die Betrüger wollen ihr Diebesgut in die Stadt bringen. Carmen hat sich indes von Don José abgewandt, da er bei ihr lebt hat er seinen Reiz verloren. Sie hat nur mehr Augen für den stolzen Escamillo. Zwischen den Männern bricht ein Kampf aus, wobei Carmen José daran hindert den Stierkämpfer zu töten. Siegessicher lädt letzterer alle zum nächsten Stierkampf in die Arena Sevillas ein.
Der gedemütigte José erwährt derweil von Micaëla, dass seine Mutter im Sterben liegt und bricht in sein Heimatdorf auf.

Vierter Akt

Ein Platz vor der Stierkampfarena. Escamillo tritt mit dem jubelnden Gefolge und Carmen an seiner Seite auf, sie ziehen in die Arena ein. Kurz davor passt José die Zigeunerin ab und bittet sie, zu ihm zurückzukehren. Doch sie will in Freiheit leben und sich nichts vorschreiben lassen, sie verspottet ihn. Während in der Arena ein Freudensturm losbricht, stürzt sich José auf Carmen und ersticht sie. Die Massen kommen vom Kampfplatz und sehen den verzweifelten Leutnant, der seine Verhaftung verlangt.

Warum die Erstaufführung ein Misserfolg war

Bereits die Proben zur Uraufführung gestalteten sich kompliziert und Bizet musste einige Takte aus seinem Werk wieder streichen. Bei der Premiere am 3. März 1875 in der Opéra Comique in Paris war die Begeisterung während des ersten Aktes noch groß. Das Auftrittslied von Escamillo hinterlässt Eindruck. Aber je weiter die Oper voranschreitet, desto kühler reagiert das empfindliche Publikum: Bizet hatte mit dem traditionellen Schema der opéra comique gebrochen und die Zuschauer empfanden den Stoff als zu unkonventionell, zu impulsiv und zu leidenschaftlich. Darüber hinaus stirbt am Ende die Protagonistin. Gewohnt waren die Pariser vor allem „saubere“ Stücke – heitere, leichtfüßige Konversationsopern oder eine ernste, pompöse grand opéra.

Später Erfolg

Georges Bizet starb am 3. Juni 1875, drei Monate nach der Uraufführung. Zunächst wurde das Stück zwar verrissen und schlecht aufgenommen, doch erhielt es mehr und mehr Anerkennung, auch von bekannten Zeitgenossen wie Brahms, Nietzsche, Tschaikowski, Debussy oder Saint-Saëns.
Erst die Aufführung im Oktober 1875 in Wien ebnete den Weg für den Erfolg der Oper. Heute gehört Carmen zu den bekanntesten und beliebtesten Opern des internationalen Repertoires, wurde in 20 Sprachen übersetzt und mehrere Male verfilmt.

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