Zigarrenzubehör aus einer anderen Zeit: die Zigarrenschaukel

Nein, Cigar Swing steht nicht für eine besondere Musikrichtung, bei der dem Swing und der Zigarre gemeinsam gehuldigt wird. Cigar Swing ist das englische Wort für die Zigarrenschaukel, ein Relikt aus einer anderen Zeit, welches es wie so viele andere Erfindungen nicht in unsere heutige moderne Zeit geschafft hat.
Im Jahr 1906 wurde die Zigarrenschaukel offiziell im Deutschen Patentamt unter der Nummer 181413 eingetragen. In der Beschreibung hieß es damals:

Von vielen Rauchern wird das Rauchen während der Arbeit als besonderer Genuß empfunden. Bei einer Tätigkeit, die beide Hände in Anspruch nimmt, muß die Zigarre dabei häufig beiseite gelegt werden und erlischt meistens, noch bevor der Raucher sie wieder nutzen will. Abgesehen davon, dass das wiederholte Anzünden an und für sich lästig ist, verliert dadurch selbst die beste Zigarre an Wohlgeschmack.

Skizzenhafte Zeichnung einer Zigarrenschaukel

Durch die Erfindung soll dieser Übelstand beseitigt werden, denn durch ihre Benutzung bleibt die beiseite gelegte Zigarre längere Zeit in mäßigem Brande. Hierbei wird gleichzeitig den Wünschen mancher Nichtraucher und Damen entgegengekommen, die am Aroma des frischen Tabakgeruches und an der Farbe und an der Form der Rauchwolken Gefallen finden und dennoch – zum Beispiel aus Gesundheitsrücksichten – nicht rauchen wollen.

 

Die Zigarre oder Zigarette braucht dann nur angezündet zu werden und brennt, nachdem sie auf die den Gegenstand der Erfindung bildende Vorrichtung gelegt worden ist, selbständig weiter.

Der Sinn der Zigarrenschaukel bestand also darin, dem Raucher zu ermöglichen, seine Zigarre auch während der Arbeit zu rauchen. Jedwede Ablenkung und Unterbrechung sollten mit diesem neuen Zigarrenzubehör für den Zigarrenraucher kein Problem mehr sein. Und das beste: Auch Nichtraucher können durch die schwunghaften Bewegungen der Schaukel von der Verbreitung des angenehmen Rauchgeruchs profitieren, ohne allerdings selbst rauchen zu müssen.
 

 
Am 17. Juli erhielt Herr Otto Schwarz für diese Erfindung der „Vorrichtung zum Erhalten des Brandes von Zigarren o.dgl.“ ein Kaiserliches Patent erteilt. Die oben genannten Argumente waren der eingereichten Patentschrift des Erfinders. Er versprach sich eine große Neuerung – traf allerdings, wie man sich wohl denken kann, leider nur auf wenig Anerkennung. Denn mit dieser Erfindung bewies Otto Schwarz, dass er kaum über genügend Sachkenntnis verfügt, um Zigarrenzubehör für Aficionados zu entwerfen. Denn mit seiner Erfindung und dem Sinn dahinter widersprach er mehr denn je dem Sinn des Zigarre Rauchens. Denn wahre Aficionados legten damals wie heute Wert darauf, sich nur auf das Rauchen selbst zu konzentrieren – und nicht so viele Dinge wie möglich nebenbei zu erledigen. Wahre Meisterwerke wie Zigarren von Romeo y Julieta, Zigarren der Marke Partagás oder die Cohiba wurden entwickelt, um dem Menschen ein wahres Genusserlebnis gepaart mit Entspannung und Einigkeit zu ermöglichen. Sie wurden nicht entworfen, um auf die Schnelle nebenher geraucht zu werden.

 

Aus diesem Grund geriet die Zigarrenschaukel sehr schnell in Vergessenheit und machte ihren Erfinder nicht sonderlich reich. Im Fachhandel ist sie heute nur noch schwer erhältlich, stellt sich ihre Nachfrage doch als kaum existent heraus.

2 Kommentare

  1. donjuan d'aficio

    10. 01. 2014

    Was für eine Erfindung! Vom Prinzip her sicherlich sehr Ideenreich allerdings zeugt doch gerade der Zigarrengenuss von einer vollständigen wenn nicht sogar meditativen Hingabe. Das hätte auch dem Herrn Erfinder klar sein müssen. Nichtsdestotrotz sicherlich ein interessantes Relikt für eine Genießerlounge.

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    • Zigarren Team

      13. 01. 2014

      Richtig, seine gut gemeinte Idee stand nun mal im Widerspruch zum Genuss einer Zigarre. Da er den Zigarrenrauchern aber eigentlich nur einen Gefallen tun wollte, war uns seine interessante Erfindung doch einen Artikel wert.

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